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Krebs behandeln

Lymphknotenkrebs mit Antikörper-Wirkstoff bekämpfen

Lymphknotenkrebs mit Antikörper-Wirkstoff bekämpfen





Ein Antikörper ist ein Eiweiß, welches normalerweise als Instrument der körpereigenen Abwehr dient. Es bekämpft Keime (Bakterien, Viren etc.), indem es Immunreaktionen auslöst, die zur Abtötung und Beseitigung der Angreifer führen.
Antikörper erkennen diese Keime sehr präzise und greifen so in aller Regel gezielt körperfremde Substanzen an. Auf diesem Prinzip beruhen auch Impfungen, wo das Immunsystem für einen Erreger sensibilisiert wird und Antikörper bildet.
Der komplexe Vorgang der Erkennung und Antikörperbildung wird hauptsächlich von den sogenannten B-Zellen (B-Lymphozyten) bewerkstelligt. Diese Zellen werden in den Organen des Lymphsystems gebildet und tragen auf ihrer Zelloberfläche die Antikörper, welche körperfremde Stoffe sofort erkennen. Über die Blutbahn werden sie durch den Organismus geschleust und fungieren somit als tatkräftige Körperpolizei.
Bei diesem Mechanismus können jedoch Störungen auftreten, die letztlich zur Entwicklung einer bösartigen Erkrankung der Zellen (B-Lymphozyten) und somit zu einem weitgehenden Zusammenbruch des körpereigenen Abwehrsystems führen können.
Diese bösartigen Krebserkrankungen nennt man "Non-Hodgkin-Lymphome" (NHL), welche vorwiegend die Lymphknoten, das Knochenmark, das Blut und die Milz, aber auch weitere Organe befallen.





 Können Antikörper verabreicht werden?

Nach intensiven Forschungen ist es nun gelungen, ein gentechnologisches Verfahren zu entwickeln, welches bahnbrechende Möglichkeiten in der Krebsbehandlung eröffnet: Antikörper werden labortechnisch in großen Mengen produziert - und als Wirkstoff "Rituximab" für die Behandlung von Krebserkrankungen zur Verfügung gestellt. Dieser speziell entwickelte Wirkstoff reaktiviert die körpereigene Abwehr und eliminiert bösartige B-Zellen.
Im Prinzip kann Rituximab gegen alle Lymphome eingesetzt werden, die das Protein CD 20 auf der Oberfläche der bösartigen Zellen tragen. Klinische Studien beweisen jedoch besonders effektive Therapie-Erfolge bei dem sogenannten "follikulären Non-Hodgkin-Lymphomen" und bei den "diffus-großzelligen Lymphomen". Bei diesen Arten von Lymphknotenkrebs wurde das Wirk-Prinzip am besten untersucht.

 Studien und Behandlungserfolge

Bei Patienten mit follikulärem Lymphknotenkrebs im fortgeschrittenen Stadium, die auf eine Chemotherapie nicht mehr ansprachen oder einen Rückfall erlitten hatten, wurde die Wirksamkeit von vierwöchigen Gaben mit Rituximab eingehend untersucht. Bei über 85% der Betroffenen konnte das Fortschreiten der Krankheit zumindest vorübergehend aufgehalten oder eine messbare Schrumpfung des Tumors beobachtet werden. Bei jedem zweiten Patienten kam es unter dieser Therapie zu einer deutlichen Verkleinerung (ca. 50%) oder zum völligen Verschwinden des Tumors. Im Durchschnitt waren die Patienten ca. ein Jahr krankheitsfrei, bei einem Teil der Patienten konnte bei Ende der Untersuchung nach drei Jahren noch kein Rückfall festgestellt werden.
Aufgrund dieser beeindruckenden Ergebnisse wurde der Wirkstoff zugelassen und zwischenzeitlich weltweit bei etwa 125.000 Patienten erfolgreich angewandt.

 Antikörper und Chemotherapie

Im Dezember 2000 wurden zudem die Resultate einer klinischen Studie veröffentlicht, bei der Patienten mit einer häufigen, schnell wachsenden Krebsart (der Non-Hodgkin-Lymphome) befallen waren. Diese sprachen häufiger auf die Therapie an, wenn zusätzlich zur Chemotherapie der Antikörper-Wirkstoff Rituximab verabreicht wurde. Hierbei wurde sogar eine beachtliche Verlängerung der Lebenszeit erreicht, welche allein durch die Chemotherapie nicht erreicht wurde. Folglich wurde Rituximab seit März diesen Jahres auch für diese sogenannten diffus großzelligen Lymphome in Kombination mit Chemotherapie zugelassen.

 Behandlungsform- und Dauer


Rituximab wird als Infusion in eine Vene verabreicht. Diese Infusion sollte unter engmaschiger Überwachung in einer hämatologisch erfahrenen Einrichtung (in der hämatologischen Abteilung einer Klinik oder in einer hämatologischen Praxis) erfolgen, da Unverträglichkeitsreaktionen hier am besten beobachtet werden können.
Die am häufigsten beschriebenen Nebenwirkungen während der Rituximab-Infusion waren Fieber (bei 49% der Patienten) und Schüttelfrost (bei 32% der Patienten).
Weniger häufig wurde über Übelkeit, Schwäche oder Kopfschmerzen geklagt. Die Nebenwirkungen waren in ihrer Ausprägung im Allgemeinen mild oder mäßig schwer und ließen sich einfach behandeln. Sie traten gewöhnlich während der ersten 30 Minuten bis zwei Stunden nach Beginn der ersten Infusion auf und endeten noch vor Ende der Therapie. Bei der zweiten oder bei weiteren Gaben von Rituximab traten diese Nebenwirkungen weitaus seltener in Erscheinung. Wie bei jeder Krebstherapie können auch bei Rituximab schwere Nebenwirkungen auftreten, doch sind diese selten, viel seltener als bei Chemotherapien.
Als Einzeltherapie (ohne Chemo) besteht die Behandlung aus vier Verabreichungen, welche in wöchentlichen Abständen durchgeführt werden.
Im Allgemeinen wird eine Therapie mit Rituximab sehr gut vertragen und kann - im Gegensatz zu vielen Chemotherapien (wegen zu starker Nebenwirkungen oder Unempfindlichkeit der Krebszellen) - in der Regel wiederholt werden. Dieser positive Aspekt eröffnet die Möglichkeit, dass Rituximab mehrmals beim gleichen Patienten angewendet werden kann und somit auch die Behandlung von eventuellen Rückfällen gewährleistet ist.




Die Broschüre ist erhältlich bei:
Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe e. V.
Thomas-Mann-Strasse 40, 53111 Bonn
Tel.: 0228-39044-0, Fax. 0228-39044-22
E-Mail: infoleukaemie-hilfe.de

Weitere informationen im Internet unter:
www.leukaemie-hilfe.de


 

 

 


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