Viele an Krebs erkrankte Menschen entwickeln eine Blutarmut, die sogenannte tumor-indizierte Anämie. Bei dieser Erkrankung herrscht ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese sind für einen optimalen Sauerstofftransport von den Lungen in den Körper lebensnotwendig. Das sogenannte Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) ist ein Protein (Eiweißstoff) in den Erythrozyten, das den Sauerstoff bindet, transportiert und in den Geweben wieder abgibt. Normale Hämoglobinwerte liegen bei Frauen zwischen 12,0 und 16,0 bei Männern zwischen 14,0 und 18,0 g/dl. Bei 10-30% der Patienten wird eine Anämie mit einem Hämoglobinwert (Hb-Wert) unter 8 g/dl nachgewiesen, bei 50-60% werden Werte unter 10 g/dl festgestellt. Dieses Defizit muss mittels einer anti- anämischen Therapie wieder ausgeglichen werden. Es gibt viele Ursachen für die Entstehung einer Anämie bei einer Krebserkrankung. Der Tumor selbst kann zu einer Anämie führen: Bestimmte Tumorarten blockieren den Mechanismus und die Fähigkeit des Körpers, die roten Blutkörperchen zu produzieren. Desweiteren sind blutende Tumore, massiver Blutverlust oder auch eine Chemo- oder Strahlentherapie die Ursache für eine Anämie. Strahlen- oder Chemotherapien können die Stammzellen des Knochenmarks, in dem die Erythrozyten gebildet werden, massiv schädigen und so eine Blutarmut herbeiführen. Dabei ähnelt die tumorbedingte Blutarmut zwar den übrigen Anämien, sie unterscheidet sich jedoch in der Pathophysiologie (Ursache / Entstehung). Die besondere Problematik bei Patienten mit tumorbedingter Anämie ergibt sich daraus, das die Leistungsfähigkeit selbst bei leicht erniedrigten Hb-Werten beträchtlich eingeschränkt wird (z. B. durch starke Erschöpfungszustände und Müdigkeit; Fatigue-Symptome). Für Anämie-Patienten, die mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot und Blässe, beschleunigtem Puls und Appetitverlust zu kämpfen haben, ist die Anhebung ihres Hämoglobin-Wertes von enormer Bedeutung. Eine gute Sauerstoffversorgung ist die Grundbasis für eine erfolgreiche Tumortherapie und äusserst wichtig für eine gute Lebensqualität. Denn mit diesen schlechten Blutwerten ist auch die Wirksamkeit der Krebsbehandlung in Frage gestellt.
Der Wirkstoff Erythropoietin, ein bei gesunden Erwachsenen überwiegend in den Nieren gebildetes Hormon, greift an Vorläuferzellen der Erythrozyten im Knochenmark und fördert so die Ausbildung reifer roter Blutkörperchen. Das gentechnisch hergestellte humanidentische Erythropoietin (z. B. Epoetin beta) korrigiert die Hb-Werte und führt somit zur Vermeidung von Bluttransfusionen.
Therapie mit Erythropoietin (Epoetin beta) - Verbesserung der Anämie ohne Transfusionen In der Vergangenheit stand für die tumor-assoziierte Anämie nur eine Transfusion zur Disposition, die mit vielen Nachteilen wie z. B. der Übertragung von Infektionen (Hepatitis, HIV) belastet ist. Nun stellt die Entwicklung des gentechnisch produzierten Erythropoietins (z. B. Epoetin beta) eine neue, deutlich verbesserte Behandlungsmöglichkeit dar. Die positiven Effekte dieser Therapieform wurden eindrucksvoll in einer Vergleichsstudie belegt. Mit der Gabe von Erythropoietin konnten - im Vergleich zu einer unbehandelten Gruppe - die Hb-Werte der Betroffenen um 2 g/dl erhöht werden, wodurch neben einer Gewichtszunahme auch eine gesicherte Steigerung der Sauerstoffaufnahme sowie der körperlichen Belastbarkeit verzeichnet werden, die mit einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität aller Patienten verbunden ist. Das gentechnisch hergestellte Erythropoietin (z. B. Epoetin beta) erweist sich folglich als wertvolle und sinnvolle Alternative zur Transfusion mit guter Wirksamkeit und ausgezeichneter Verträglichkeit. |