 Etwa 47.000 Frauen erkranken pro Jahr in Deutschland an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen. Aber: Brustkrebs ist, wenn er früh erkannt wird, gut zu behandeln. Seit Jahren versuchen Forscher punktgenau wirkende Medikamente gegen die verschiedenen Krebsarten zu entwickeln. Im Gegensatz zur Chemotherapie, die die Krebszellen ebenso wie auch die gesunden Zellen vergiften und auf diese Art und Weise heftige Nebenwirkungen hervorrufen kann, vernichtet diese neue Generation der Krebsmittel ganz gezielt nur die Krebszellen.
Eines dieser Medikamente ist Trastuzumab, ein sogenannter monoklonaler Antikörper,der gezielt an solche Brustkrebszellen bindet, die ein spezielles Eiweiß auf der Zelloberfläche, HER2-Rezeptor genannt, besonders gehäuft haben.Die Folge ist ein rascheres Wachstum des Tumors und eine oft schlechteren Prognose für die Betroffenen, Dies trifft auf etwa 30% aller Brustkrebspatientinnen zu.
Seit September 2000 ist Trastuzumab, Handelsname Herceptin, auch in Deutschland zugelassen und steht diesen Patientinnen bei fortgeschrittenem, sogenannten HER2-überexprimiertem Brustkrebs neben den herkömmlichen Chemo- und Hormontherapien als ein gut verträgliches und sehr wirksames Medikament zur Verfügung. Es bindet ganz gezielt an die HER2- Rezeptoren auf den Brustkrebszellen, das Tumorwachstum wird gestoppt gefolgt von einer Zerstörung der Krebszellen. Gesunde Zellen weisen keine solche HER2-Überexpression auf und sind daher nicht betroffen. Dementsprechend verursacht Trastuzumab, anders als viele Chemotherapien, auch keine der Nebenwirkungen, die durch die Zerstörung sich schnell erneuernder Zellen (z. B. Schleimhäute oder Haarfollikel) entstehen wie Übelkeit oder Haarausfall.
 Das Medikament wird als Infusion einmal wöchentlich gegeben. Nicht selten treten während der ersten Infusion grippeähnliche Symptome auf, die sich jedoch rasch gut z. B. mit Paracetamol beherrschen lassen. Alle folgenden Infusionen werden meist problemlos vertragen. Bis heute wurden weltweit etwa 45.000 Patientinnen mit fortgeschrittenem Her2-überexprimierendem Brustkrebs mit Herceptin alleine oder in Kombination mit einer wirksamen Chemotherapie behandelt. In mehrere große Studien in den USA und Europa haben Ärzte zeigen können, daß im Vergleich zur Chemotherapie durch die Gabe von Trastuzumab bei mehr Patientinnen eine Verminderung des Tumorwachstums, in einigen Fällen sogar ein vollständiges Verschwinden des Brustkrebses erreicht werden konnte. In Kombination mit einem wirksamen Chemotherapeutikum wie z. B. einem Taxan kann auch das Überleben signifikant verlängert werden.
Wichtige Voraussetzung für eine Therapie mit Trastuzumab ist die Bestimmung der HER2-Überexpression. Dabei kann ein Teil desjenigen Krebsgewebes, das bereits bei der Operation entfernt wurde, (auch noch Jahre später) verwendet werden. Sollte dieses ?Tumorblöckchen? nicht mehr vorhanden oder nicht mehr aufzufinden sein, dann könnte auch aus einer Tochtergeschwulst nochmals eine Probe entnommen und untersucht werden. Jede Brustkrebs-Patientin sollte ihren Her2-Status bei ihrem behandelnden Arzt erfragen!
Zukünftige Studien werden zeigen, ob Trastuzumab auch in der Primärerkrankung nach chirurgischer Entfernung des Tumors helfen kann, d. h. die Heilungsschancen der Patientinnen verbessert. |