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Informationen über Krebs

Trastuzumab - neue Hoffnung für Brustkrebspatientinnen

 

 

Aktuelle Studien belegen deutlichen Überlebensvorteil

Acht bis zehn von 100 Frauen der westlichen Industrieländer erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, der in der medizinischen Fachsprache als Mammakarzinom bezeichnet wird. Das bedeutet für Deutschland rund 47.000 Neuerkrankungen im Jahr. Rund 19.000 Patientinnen versterben jedes Jahr an dieser Erkrankung. Nur etwa 5 ? 10 % der Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt.

Nicht bei jedem Knoten in der Brust muss es sich um Brustkrebs handeln. Dies kann nur unter dem Mikroskop eindeutig festgestellt werden. Vorher muss das ver­dächtige Brustgewebe entnommen werden. Dies kann auch in örtlicher Betäubung erfolgen. Zusätzlich wird ge­klärt, ob der Tumor bereits Tochtergeschwülste (Metas­tasen) entwickelt hat. Dazu werden vor allem diejenigen Organe untersucht, in denen sich häufig Metastasen festsetzen: Die Lunge wird ge­röntgt, die Leber mit Ultraschall und das Knochenge­rüst mit Hilfe einer radioaktiv markierten Substanz untersucht. Um ganz sicher zu sein oder bei fraglichen Befunden in einer vorherigen Un­tersuchung kann eine Com­putertomographie durchgeführt werden. Auch die Ober­fläche des Tumors muss analysiert werden. Wissenschaft­liche Untersuchungen haben gezeigt, dass oft Hormone oder Wachstumsfaktoren die Entwicklung von Brustkrebs fördern. Ist die Art und die Anzahl der Rezeptoren bekannt, kann versucht werden, durch Hormone, Antihormone oder Antikörper diese Rezeptoren zu blockieren. Rezeptoren sind Fühler für einen ganz bestimmten Stoff. Der Körper besitzt eine gan­ze Menge an diesen Fühlern für die unterschiedlichsten Stof­fe.

Antikörper sind Bestandteile des körpereigenen Abwehr­systems. Sie wirken gegen fremde, in den Körper eingedrungene Stoffe, wie zum Beispiel Giftstoffe, Bakterien oder Viren. Diese Antikörper können sich mit bestimmten Eiweißstrukturen des Eindringlings verbinden und in der Folge diesen unschädlich machen. Antikörper können aber auch gegen körpereigene Stoffe wie etwa Bestandteile von Krebszellen aktiv werden. Aus dieser Erkenntnis ist ein neu­er Ansatz zur Brustkrebsbehandlung entstanden: Seit einiger Zeit ist es möglich, solche Antikörper im Labor herzustellen und als Medikament einzusetzen.

Aus der Krebsforschung weiß man, dass es zum Tumorwachstum kommen kann, wenn die Erbsubstanz, der Bauplan der Zellen, geschädigt wird. Derartige Veränderungen können beim Brust­krebs dazu führen, dass zu viele ?Andockstationen" für Wachstumsfaktoren auf der Zelloberfläche entstehen. In der Fachsprache nennt man diese Stationen HER2-Rezeptoren.


Die HER2-Expression an der gesunden Zelle


Bindung eines Liganden an die Rezeptoren


Auslösung des normalen Wachstumsstimulus nach Bindung eines Liganden an die HER1-/HER2-Rezeptoren

Je mehr solcher HER2-Rezeptoren eine Brustzelle produziert, desto mehr Wachstumssignale bekommt sie. Sie teilt sich immer wieder, der Tumor wächst. Bei etwa 25 bis 30 Prozent aller Frauen mit Brustkrebs kann man ein vermehrtes Vorkommen von HER2 auf den Brustkrebszellen feststellen.

Gegen diese HER2-Rezepto­ren konnten nun Antikörper hergestellt werden. Sie konkurrieren mit den Wachstumsfaktoren, weil sie deren Platz auf dem HER2-Rezeptor besetzen können. Wird nun der HER2-Rezeptor durch ei­nen Antikörper besetzt, können kaum noch Signale an die Krebszelle gesendet werden, die sie auffordern, sich zu teilen. In der Folge be­deu­tet dies ein Abbremsen des Tumorwachstums. Diese HER2-Antikörper wurden als ?Trastuzumab? bezeichnet.

Mittels bestimmter feingeweblicher Nachweismethoden kann man herausfinden, ob ihr Krebsgewebe eine Veränderung bezüglich HER2 aufweist. Bei etwa einem Drittel aller Frauen mit Brust­krebs ist die Menge von HER2 erhöht. Bislang ist die Behand­lung mit dem HER2-Antikör­per nur für Frauen zu­ge­las­sen, bei denen der Brust­krebs bereits Tochterge­schwüls­­te (Metastasen) gebildet hat. Hier kann der HER2-Antikörper in Kombination mit einer Chemotherapie oder als alleinige Substanz verabreicht werden. Welche Vorgehensweise am geeignets­ten ist, muss individuell entschieden werden.

Der Antikörper wird als Infusion gegeben. Der Körper kann darauf kurzfristig mit grippeähnlichen Symptomen reagieren. Dies lässt sich jedoch beispielsweise mit Paracetamol gut beherrschen. Einen weiteren ?Vorteil? bie­tet die Antikörper-Behandlung; im Gegensatz zur Chemotherapie tritt kein Haarausfall auf, denn der Wirkstoff greift nur Tumorzellen und keine gesunden an. Ganz selten können Übelkeit und Blutbildveränderungen auftreten.

Derzeit werden zur Wirksam­keit dieser Behandlung unterschiedliche Studien durch­geführt.  Die als ?HERA-Stu­die? bezeichnete ist die größ­te von vier Studien, die derzeit zur Therapie von Brustkrebs im Frühstadium (keine Tochtergeschwülste) mit Tras­tuzumab durchgeführt werden. Hierbei werden weltweit an 500 Studienzentren 4.200 Patientinnen teilnehmen; aus Deutschland sind es derzeit 530 Patienten. Damit die Patientinnen in die Studie aufgenommen werden, muss die Standard-Chemotherapie ab­geschlossen sein und der Brustkrebs muss eine HER2-­Überexpression zeigen. Die ersten Analysen belegen eine hohe Sicherheit und gute Ver­träglichkeit für die Patientinnen. Nebenwirkungen bei der Behandlung werden kaum be­obachtet.

Im Rahmen der so genannten Zulassungsstudie bei fort­ge­schrittenem Brustkrebs zeigte sich, dass die Kombination von Trastuzumab mit einem Chemotherapeutikum deutliche Vorteile gegenüber der alleinigen Gabe der Chemotherapie erkennen lässt. Um 40 % verbesserte sich die Ge­samtüberlebensrate. In der fol­genden Studie wurde Trastuzumab plus Docetaxel (Chemotherapie) getestet. Die  Er­gebnisse sind eindeutig: Die Kombination von Docetaxel und Trastuzumab sollte in Zu­kunft konsequent zur Erstbehandlung des Mammakarzinoms eingesetzt werden. Mit dieser Kombination wurde gegenüber der alleinigen Ga­be von Docetaxel eine Steigerung der Ansprechrate auf die Behandlung um 25 Prozent erreicht. Die Überlebens­zeit verbessert sich von 18 auf 28 Monate und die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung verdoppelte sich fast (von etwa sechs auf an­nähernd 11 Monate). Welche Therapie bei einer betrof­fenen Patientin angewendet wird, hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht pauschal beurteilen. Dies ent­scheidet der behandelnde Arzt.

Sollten Sie weitere Fragen haben, so wenden Sie sich an einen Arzt Ihres Vertrauens.

Fotoquelle: Herceptin®


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