Antikörper sind Bestandteile des körpereigenen Abwehr-systems. Sie wirken gegen fremde, in den Körper eingedrungene Stoffe, wie zum Beispiel Giftstoffe, Bakterien oder Viren. Durch die Verbin-dung mit bestimmten Eiweiß-strukturen des Eindringlings können sie diesen unschädlich machen. Antikörper kön-nen aber auch gegen kör-per-eigene Stoffe wie etwa Bestandteile von Krebszellen aktiv werden. Aus dieser Erkenntnis ist ein neuer Ansatz zur Brustkrebsbehandlung entstanden: Seit einiger Zeit ist es möglich, solche Antikörper im Labor herzustellen und als Medikament einzusetzen. Aus der Krebsforschung weiß man, dass es zum Tumorwachstum kommen kann, wenn die Erbsubstanz, der Bauplan der Zellen, geschädigt wird. Derartige Verände-rungen können beim Brust-krebs dazu führen, dass zu viele ?Antennen? für Wachs-tumsfaktoren auf der Zell-oberfläche entstehen. In der Fachsprache nennt man diese Antennen HER2-Rezeptoren. Je mehr solcher HER2-Rezep-toren eine Brustzelle produziert, desto mehr Wachstums-signale bekommt sie. Sie teilt sich immer wieder, der Tumor wächst. Bei etwa 25 bis 30 Prozent aller Frauen mit Brustkrebs kann man ein vermehrtes Vorkommen von HER2 auf den Brust-krebs-zellen feststellen. Der Forschung ist es gelungen, Antikörper gegen HER2-Rezeptoren herzustellen. Sie wirken als Gegenspieler zu den Wachstumsfaktoren, weil sie deren Platz auf dem HER2-Rezeptor besetzen können. Durch die Blockierung des HER2-Rezeptors durch den Antikörper werden kaum noch Signale an die Krebszelle gesendet, die sie auffordern, sich zu teilen. Das Ergebnis: Das Tumorwachstum kann gebremst werden. Der Substanzname des HER2-Antikörpers lautet Trastuzumab. Mittels bestimmter feinge-web--licher Nachweismethoden kann man herausfinden, ob ihr Krebsgewebe eine Ver-änderung bezüglich HER2 aufweist. Bei etwa einem Drittel aller Frauen mit Brust-krebs ist die Menge von HER2 erhöht. Bislang ist die Behandlung mit dem HER2-Antikörper nur für Frauen zu--gelassen, bei denen der Brust--krebs bereits Tochter-ge-schwüls--te (Metastasen) ge-bildet hat. Hier kann der HER2-Antikörper in Kombination mit einer Chemotherapie oder als alleinige Substanz verabreicht werden ? dies muss individuell entschieden werden. Der Antikörper wird als Infusion gegeben. Dabei können kurzfristig grippeähnliche Symptome auftreten, die sich jedoch beispielsweise mit Paracetamol gut beherrschen lassen. Da der Antikör-per aber, im Gegensatz zur Chemotherapie, nur auf die Tumorzellen wirkt und nicht auf gesunde Zellen, tritt kein Haarausfall auf, nur ganz sel-ten Übelkeit, und das Blutbild wird auch nicht geschädigt. Derzeit werden zur Wirk-sam-keit dieser Behandlung bei den frühen Formen von Brust-krebs unterschiedliche Studi-en durchgeführt. Die als ?HERA-Studie? bezeichnete ist die größte von vier Studien, die derzeit zur Therapie von Brustkrebs mit Trastuzumab durchgeführt werden: Insgesamt 3.400 Patientinnen in 500 Studienzentren werden weltweit an dieser Studie teilnehmen. Allein aus Deutschland nehmen derzeit 478 Patienten teil. Vorraussetzung für die Aufnahme in die Studie ist eine HER2-Überexpression sowie eine abgeschlossene Standard-Che-motherapie. Die ersten Analysen belegen eine hohe Sicherheit und gute Verträglichkeit für die Patientinnen. Nebenwirkungen durch Trastuzumab spie-len bei der Behandlung im Frühstadium praktisch keine Rolle. Im Rahmen der so genannten Zulassungsstudie bei me-tastasiertem Brustkrebs zeig-te sich, dass die Kombination von Trastuzumab mit einem Chemotherapeutikum deutliche Vorteile gegenüber der alleinigen Gabe der Chemotherapie erkennen lässt. Die Gesamtüberlebensrate verbesserte sich um 40%. In einer weiteren Studie wurde Trastuzumab plus Docetaxel (Chemotherapie) getestet. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Kombination von Docetaxel und Trastuzumab sollte in Zukunft konsequent zur Erstbehandlung des Mam-ma-karzinoms eingesetzt werden. Mit dieser Kombination wur-de gegenüber der alleinigen Gabe von Docetaxel eine Stei-gerung der Ansprechrate auf die Behandlung um 25 Prozent erreicht. Die Überlebenszeit verbessert sich von 18 auf 28 Monate und die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung verlängert sich von etwa sechs auf fast 11 Monate. Derzeit werden fast wö-chent-lich neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie bewährte und neue Behandlungsmetho-den angewendet und dosiert werden. Welche Therapie bei einer betroffenen Patientin angewendet werden, hängt von vielen Faktoren ab. Sollten Sie weitere Fragen haben, so wenden Sie sich an einen Arzt Ihres Vertrauens. 
|