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Die Bedeutung von Stammzellen in der Krebsmedizin

Zwei Besonderheiten zeichnen die so genannten Stammzellen aus: Aus ihnen können sich zum einen verschiedene spezialisierte Zellen entwickeln, zum anderen besitzen sie die Fähigkeit, sich zu teilen, ohne sich dabei in unterschiedliche Zellarten zu differenzieren. Stammzellen stellen damit ein Reservoir von Zellen dar, aus dem die verschiedenen spezialisierten Zellen des Körpers gebildet werden. Aus Stammzellen von Erwachsenen können Leberzellen, Muskelzellen, Nerven- oder Blutzellen werden. Sie bieten damit faszinierende Möglichkeiten für die moderne Medizin ohne die ethischen Probleme, die der Einsatz embryonaler Stammzellen bedeutet.

 

 

Seit Anfang der 50er Jahre weiß man, dass die Blutbildung, also die Produktion roter und weißer Blutkörperchen sowie der Blutplättchen, im Knochenmark stattfindet. Mitte der 60er Jahre stellte sich heraus, dass alle drei Blutzellarten aus einer Blutstammzelle hervorgehen. Im Knochenmark sind diese Zellen enthalten. Mit der Transplantation von Knochenmark lässt sich also auch die Fähigkeit zur Blutbildung übertragen.

 

Eine weitere Quelle für Blutstammzellen wurde erschlossen, als man entdeckte, dass diese Zellen unter bestimmten Bedingungen auch im Blut vorkommen. So werden sie zum Beispiel nach einer Chemotherapie in der Erholungsphase des Knochenmarks in den Blutstrom ausgeschwemmt. Mit Hilfe einer speziellen Technik können sie aus dem Blut abgeschöpft und anschließend eingefroren werden. Im Vergleich zur Knochenmarkentnahme ist diese Art der Stammzellengewinnung einfacher und problemloser.

 

Als Behandlungsmethode bei bösartigen Tumoren wird die Chemotherapie eingesetzt, bei der Zellgifte die schnell wachsenden Tumorzellen abtöten, aber auch andere Zellen des Körpers schädigen, vor allem Haarfollikel, Darmschleimhaut und auch Knochenmarkzellen. Die unvermeidliche Schädigung der Knochenmarkzellen, die die kontinuierliche Produktion der Blutzellen sichern, setzt der Chemotherapie Grenzen. Aus dieser Problematik heraus ist die Übertragung von Knochenmark beziehungsweise Blutstammzellen entstanden. Die Entnahme und Konservierung von Knochenmark oder Blutstammzellen erlaubt heute, die Chemotherapie wesentlich höher zu dosieren. Das geschädigte Knochenmark ist nun ersetzbar. Die Hochdosis-Chemotherapie zusammen mit der Transplantation körpereigener Blutstammzellen gehört in spezialisierten Zentren inzwischen bereits zu den Routinemaßnahmen.

 

Begonnen wird mit einer Mobilisierungstherapie, die zum einen den Tumor schädigt, aber auch dazu führt, dass in der Erholungsphase des Knochenmarks vermehrt Stammzellen in das Blut ausgeschwemmt werden. Mit Hilfe von bestimmten Wachstumsfaktoren kann eine zusätzliche Mobilisierung der Stammzellen aus dem Knochenmark erreicht werden. Die Konzentration lässt sich so bis auf das Tausendfache steigern. Nach ein bis zwei Mobilisierungstherapien folgt die Hochdosistherapie. Anschließend werden die gewonnenen Blutstammzellen durch eine Injektion in die Vene "transplantiert". Von hier finden sie den Weg ins Knochenmark, wo sie anwachsen und die Blutbildung wieder in Gang setzen. Nach der Transplantation vergehen ca. zwei Wochen, bis sich die Blutwerte normalisiert haben. In diesem Zeitraum ist der Patient aufgrund seines geschwächten Immunsystems stark infektionsgefährdet. Ein schlecht arbeitendes Immunsystem scheint wiederum die Entstehung von Tumoren eher zuzulassen: Der Körper müsste entartete Tumorzellen als fremd erkennen und eine Abwehrreaktion einleiten. Diese Kontrollfunktion ist bei Tumorpatienten offensichtlich gestört. Ein Angriffspunkt ist deshalb die Aktivierung des Immunsystems.

 

Schon der heutige Wissensstand lässt das Potential von Blutstammzellen erahnen. Weltweit läuft die Forschung auf diesem Gebiet auf Hochtouren und die dabei gewonnenen Erkenntnisse lassen neben den bereits etablierten Therapieansätzen für bestimmte Tumorerkrankungen neue Möglichkeiten denkbar und auch realisierbar erscheinen.


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