| Der Wirkstoff Trastuzumab - Erfahrungen einer Patientin | Den wiedererwachenden Krebszellen zuvorkommen | Persönliche Erfahrungen einer Patientin mit einer neuen | vorbeugenden Behandlung | |
Ursula Goldmann-Posch ist Vorstandsmitglied der Brustkrebs-Initiative "mamazone - Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V. in Augsburg". Ihr Buch, "Der Knoten über meinem Herzen - Brustkrebs darf kein Todesurteil sein", gilt als der beste Ratgeber zum Thema Brustkrebs auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Und: Ursula Goldmann-Posch leidet selbst unter einer besonders aggressiven Form des Mammakarzinoms - dem HER2-positiven Brustkrebs. Diese Form ist häufig mit einer ungünstigeren Heilungschance verbunden. Gegen den Rezeptor HER2 gibt es nun einen Antikörper mit dem Wirkstoff Trastuzumab. Vor einem Jahr bekamen nur jene Frauen diesen Wirkstoff, die als unheilbar krank galten und Metastasen hatten. Sie erhofften sich von diesem Antikörper etwas Aufschub. Zu Recht - wie Studien belegten. Nun soll in einer weltweiten HERA-Studie der Wirkstoff Trastuzumab auch zur Frühbehandlung eingesetzt werden. "Als Betroffene habe ich ein vitales Interesse daran und bin dankbar dafür, dass dieser viel versprechende und - im Vergleich zur Chemotherapie - menschenfreundliche Antikörper jetzt auch an jenen Frauen getestet wird, die zwar ein hohes Rückfallrisiko haben, aber noch nicht unheilbar dem Tod geweiht sind", hofft Ursula-Goldmann-Posch. Gemeinsam mit ihrem Arzt entschied sie sich vor einem Jahr für eine experimentelle Behandlung mit dem Wirkstoff Trastuzumab, weil ein bestimmter Tumormarker, der Spuren von HER2 im Blut anzeigte, auf neues Krebswachstum hindeutete. Ein unsichtbarer Rückfall bahnte sich an. "Doch ich wollte den wieder erwachenden Tumorzellen zuvorkommen. Ich wollte nicht warten, bis die Metastasen zu sehen sind. Ich konnte nicht warten, bis Studien erste Ergebnisse auch über den vorbeugenden Nutzen des Wirkstoffs Trastuzumab bringen." Doch erst, wenn der Wirksamkeitsnachweis für ein Medikament in einer ganz bestimmten Behandlungssituation erbracht ist, kommen die Krankenkassen für die Kosten auf. So ließ sie sich den teuren Antikörper als vorgezogenes Erbe von ihrer Mutter schenken. "Seitdem halte ich meine aufmüpfigen Krebszellen mit dem Wirkstoff Trastuzumab alle drei Wochen in einem sehr sensiblen Gleichgewicht - wer weiß, wie lange". Ihre Aufforderung, an dieser "Studie der Hoffnung" teilzunehmen, ergeht sowohl an Ärzte als auch an Patientinnen. Je mehr geeignete Frauen mitmachen, desto schneller wird man zu dringend benötigten Antworten kommen. Etwa auf die Frage, ob es Sinn macht, den Wirkstoff Trastuzumab so frühzeitig zu verabreichen, dass die überproduzierenden HER2-Krebszellen gar nicht erst aktiv werden. "Wir Frauen mit Brustkrebs haben nicht so viel Zeit wie Behörden, Krankenkassen, Ethikkommissionen und Forscher. Unsere biologische Krebsuhr tickt schneller, als die Entscheidungsträger handeln", mahnt sie die Verantwortlichen zur Eile. Gleichzeitig möchte sie viele frisch operierte Frauen mit Brustkrebs ermutigen, sich aktiv darum zu kümmern, ob sie eine HER2-positive oder -negative Form haben. Seit dem 1. Oktober wird der dazu gehörige Gewebetest von den Krankenkassen bezahlt. "Denn es geht einzig und allein darum, den rund 15.000, meist noch sehr jungen Frauen, mit einem HER2-Brustkrebs ... Hilfe und Hoffnung zum Überleben zu geben," resümiert Ursula Goldmann-Posch. An Brustkrebs seien schließlich schon viel zu viele Frauen gestorben.
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